4. Tag Apoyo Lagoon, Pueblos blancos, 8.1.

In der Yoga Class waren wir heute die einzigen und bekamen von Miriam sozusagen Einzelunterricht. Nach dem Frühstück steigen wir eine kleine Straße, die sich den Kraterrand hinauf windet zum Dorf Diria hinauf. Trotz Schatten eine schweißtreibende Angelegenheit; hin und wieder hört man Brüllaffen, angeblich die lautesten Tiere der Welt.

Strasse nach Diria; links eine große Bambusstaude

Nach einer Stunde kommen wir am Aussichtspunkt, dem Mirador de Diria an; unter uns schimmert blau die Lagune – ein herrlicher Blick von hier oben.

Mirador

Hinter dem Kraterrand liegt das Dorf Diria, das erste der weißen Dörfer, dass wir heute besuchen. „Weiße Dörfer“ stimmt eigentlich nicht mehr, da alle Häuser inzwischen bunt angestrichen sind. Diria ist Schauplatz des Romans „Tochter des Vulkans“ der bekannten nicaraguanischen Schriftstellerin Gioconda Belli; einst Mitstreiterin Daniel Ortegas, heute eine seiner schärfsten Kritikerinnen.

Baseball-Station Dirias
Zahnklinik Diria

Dorfplatz

Die bunten Häuser von Diria

Mit dem Tuk Tuk geht es weiter ins nahegelegene San Juan de Oriente, das bekannt für seine Töpferwaren ist.

Kitsch nicht ausgeschlossen

Keinen Kitsch findet man bei Chuca, der mit seiner Familie eine Töpferei im Dorf betreibt. Er zeigt uns ihren Betrieb, den Brennofen und erklärt uns den ganzen Produktionsablauf. Mir gefallen seine Arbeiten sehr gut und ich erstehe eine neue Schale für meinen Hirsebrei, zwei große Kaffeetassen und eine Kaffeetasse mit Untertasse.

Wenn man im Internet „Chuca Nicaragua“ eingibt, kann man Arbeiten von ihm sehen.

Schönheitssalon in San Juan del Oriente

Mit dem nächsten Tuk Tuk geht es weiter nach Catarina, dem größten der weißen Dörfer, das bekannt ist für seine Gärtnereien, Töpferarbeiten, Holzproduktion und Süßigkeiten, das auch hoch oben am Kraterrand liegt.

Deshalb fahren wir zuerst zum Mirador de Catarina; hier ist es trubeliger – viele Souvenirläden und Restaurants reihen sich vor dem Mirador. Die Aussicht ist allerdings noch eindrucksvoller als vom Mirador de Diria. Der Blick geht über die Lagune bis nach Granada und den dahinterliegenden Nicaragua See; rechts sieht man den Vulkan Mombacho.

Xylophonspieler und Gitarristen spielen für die fast ausschließlich einheimischen Besucher

Nach dem Mittagessen fahren wir diesmal mit einem Taxi in das Dorf Niquinohomo, in dem 1895 der Freiheitskämpfer Augusto Sandino geboren wurde. Im Wohnhaus seines aus Spanien stammenden und den Mittelstand angehörenden Vaters, der Kaffeeplantagen-Besitzer war, ist ein Museum eingerichtet.

Denkmal Sandinos auf dem Dorfplatz

Im Reiseführer steht zwar das dies das Geburtshaus Sandinos ist. Aber Otto, der Museumsführer versichert uns, dass er zwar im Dorf geboren wurde, aber der exakte Geburtsort nicht bekannt ist

Sandino ist der uneheliche Sohn von Gregorio Sandino und Margarita Calderon, einer Arbeiterin auf seiner Plantage und wuchs zuerst bei ihr und dann bei ihren Großeltern auf. Mit 12 Jahren kam er ins Haus seines Vaters.

Sandino, ein sehr kleiner Mann – im Garten steht die lebensgroße Statue von ihm – legte sich der noch mit den Amerikanern an. 1934 ist er – und einige seiner engsten Gefolgsleute – 39-jährig auf dem Weg zu einem Bankett, zu dem ihn der Präsident Sacasa persönlich eingeladen hatte, vom Chef der Nationalgarde Somoza ermordet worden.

Sandino lebensgroß, dahinter das Bad
Küche

Das Bett von Sandinos Vater; statt einer Matratze, ein mit Leder bespannter Holzrahmen; am Ende ragen die Füße in der Luft
Otto erklärt und den Heuwagen

Massives Wagenrad

Augusto Sandino

Augusto Sandino überlebensgross

Nach der sehr kenntnisreichen und liebenswürdigen Führung von Otto, der uns zum Abschied zwei Bananen schenkt, trinken wir am Dorfplatz noch einen Kaffee und ich knabbere ein paar Kekse dazu.

Mit dem Tuk Tuk geht es wieder zum Mirador de Diria zurück. Unser letzter, sehr schöner Ausflug in Nicaragua geht mit dem Abstieg zur Apoyo Lodge zu Ende. Dieses Mal wählen wir einen anderen Weg. Zuerst geht es Treppenstufen hinab, dann einen Pfad durch den Dschungel, der dann überraschenderweise wieder auf die kleine Straße führt. Von dieser zweigen wir eine Abkürzung, einen Dschungelpfad hinab zur Lagune, ab.

Autor: Utz Benkel

früher Hausbesetzer, Anarchist und Gotteslästerer heute Grafiker, Künstler, Verleger und Autor. Geboren am 6.3. 1959 in München, aufgewachsen im idyllischen Leutstetten bei Starnberg (bis 1965) und Seefeld am Pilsensee (1965-1977)

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