Südamerika

Managua – Leon, 14.12.

Gut zwei Stunden dauert die Fahrt mit dem Leihauto nach Leon, der ehemaligen Hauptstadt und „Hauptstadt der Revolution“ – meine erste „selbstaendige“ Fahrt in Mittelamerika und entsprechend nervoes war ich vor der Fahrt, ob wir heil aus der Stadt kommen. Es ging erstaunlich gut; eine Stunde bis wir die haessliche Millionenstadt hinter uns gelassen haben.

Dann wird die Landschaft sehr schoen; rechts taucht ploetzlich der dunkelblaue, windgepeitschte grosse Managuasee und am Nordufer der „rauchende“ Vulkan Momotombo (Der Zerstoererische) auf und im See sein kleiner Bruder, die Vulkaninsel Momotombit.

Zufaellig entdecken wir das wunderhuebsche Zwei-Zimmer-Hotel „Coca Calala“ mitten in der Altstadt mit Pool fuer 30 Dollares including Breakfast, in dem wir alleine wohnen, weil das zweite Zimmer nicht belegt ist.

Sofa in der Lounge

Hauptstadt der Revolution

Einfallsreicher und oekologisch-wertvoller Abfalleimer

Diese schoene Baeckerei mit Cafe und einladendem Patio entdeckten wir und genossen dort Kaffee, frischen Saft und Schokotorte

Hier gabs Abendessen: Rippchen mit Gallo Pinto (Reis und Bohnen) und Krautsalat.

Barca d’Oro

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Managua, 12.12. Ankunft

Ich bin gut in Nicaragua angekommen. Der Flug ueber Panama war problemlos. Der erste Eindruck: Nicaragua ist sehr viel aermer als die beiden zuvor bereisten Laender. Der Flughafen hat die Form einer langen Lagerhalle mit gewoelbtem Blechdach und ist sehr ueberschaubar. Was ich immer angenehm finde. Ich mag diese riesigen Flughaefen nicht, auf denen man sich verlaueft. Das kann einem am Internationalen Airport Augusto Sandino nicht passieren. Es kommen auch nur sehr wenige internationale Fluege hier an. eEntsprechend stuerzen sich die Taxifahrer auf einen und wollen utopische Preise, wenn sich schon mal die Gelegenheit auf eine Fahrt bietet. Touristen sind kaum welche im Land, seit den Unruhen im Sommer sind sie gaenzlich ausgeblieben, nun kommen die ersten wieder, erzaehlt mir meine airbnb-Gastgeberin, die gut englisch spricht und mir am ersten Abend vieles wichtige zum Land erklaert. Das ist sehr hilfreich.

Cartagena, 11.12.

Gestern habe ich fuer heute einen Tagesausflug an den Strand von Playa Baru ab 8 Uhr gebucht. Das Buero der Agentur war drei Haeuser weiter. Um 8 Uhr rum pendelten die anderen Teilnehmer ein, ab halb neun zwei ohnehin schon ziemlich volle Busse, in die alle Teilnehmer bis auf mich einsteigen konnten. Ich stand noch etwas ratlos mit zweien von der Crew auf dem Gehweg. Die Busse fuhren auch nicht ab. Es wuerde bald noch ein Bus kommen, mit dem ich dann mitfahren koenne. Nach 5 Minuten ging der Bursche vom Buero zu dem Bus, der schon eine knappe halbe Stunde wartete, redete mit dem Fahrer und winkte mir dann. Und tatsaechlich, genau ein Platz war noch (fuer mich) frei. Warum ich da nicht gleich hatte einsteigen koennen? Keine Ahnung. Manches bleibt raetselhaft.

Langsam schob sich der Bus stadtauswaerts Richtung Westen. Vorbei an Containerlagern, Fabriken, Raffinerien, Tanklagern, Lagerhallen, also Industrielandschaft, dann weiter durch eine eher reizlose und staubige Landschaft. Eine gute Stunde ging die Fahrt. Dann naeherten wir uns dem Meer. Die Landschaft wuerde wieder schoener. Der Busbegleiter gab Instruktionen auf spanisch – ich habe nichts verstanden und beschlossen der 23koepfigen Gruppe einfach zu folgen. Wir marschierten hinter dem Burschen her, durch buntes Huettenwerk zum traumhaften Strand. Tuerkisblau schimmerte die Karbik und war bester Laune.

Links und rechts aneinander gereiht, soweit das Auge reichte, Restauranthuetten, bunt angemalt und phantasievoll geschmueckt. Wir stapften ihm einen halben Kilometer hinterher bis wir „unser“ Restaurant erreicht hatten. Hier sollte ab 12 Uhr Lunch geben. Ich zog mich zum Baden um – vergass meine (teuren) Trekking-Sandalen unter einer Bank und stuerzte mich in die Fluten. Danach traf ich ein sehr nettes junges, deutsches Paearchen – Lars und Nora – wieder – wir sassen schon im gleichen Bus von Santa Marta nach Cartagena und auch heute frueh im Reisebuero warteten wir zusammen auf die Abfahrt – sind aber mit zwei verschiedenen Bussen an den Strand gekommen. Sie studieren in Innsbruck Medizin und sind auch 2 1/2 Monate in Suedamerika unterwegs. Es gab Gespraechsstoff und ein sehr angenehmes Beisammensein am Strand. Dann fielen mir meine Trekking-Sandalen wieder ein – ich sah nach und sie waren weg. Kein Wunder! Nora, die spanisch spricht, half mir die Leute von der Crew zu befragen. Erst kein Ergebnis, aber dann sagte ein Mann, der sich gerade anstellte mit der Schubkarre drei Saecke Eiswuerfel durch den Sand zu schieben, er habe die Schuhe in Sicherheit und auf einen Schrank bei den Toiletten gelegt. Eine positive Ueberraschung! Und da waren sie dann auch!

Mittags stellte ich mich in die lange Schlange zum Essenholen. Nora und Lars waren derweil beim Gepaeck. Da wechselten wir uns ab. Es gab Pollo (Huehnchen); als ich zuueck kam, waren meine Trekking-Sandalen wieder weg. Sie lagen neben dem Handtuch. Ich aergerte mich, haette ich sie doch angezogen! Leichtsinnig sie am Strand liegen zu lassen. Naja, wie Helen Schapira mir 1987 in Wien sagte: „Man soll nicht um Dinge weinen, die selbst nicht weinen koennen.“

So leer wie auf diesen Bilder war der Strand nicht, sondern ab Mittag proppenvoll. Fast alles kolumbianische Touristen. In Cartagena selbst gibt es keinen schoenen Strand, so machen sich alle auf den Weg hierher. Der Aufbruch – angekuendigt fuer 3 Uhr – war auch etwas chaotisch. Um zehn vor drei war ich am Treffpunkt, wo mir unser Guide bedeutete, ich solle jetzt mit den beiden neben mir stehenden Damen zum Bus gehen. Mir war nicht ganz klar, warum und warum nicht mit der Gruppe? Aber ich ging mit, wollte ja auch zurueck. Am Parkplatz 50 Busse, von unserer Gruppe keine Spur. Die beiden Damen steuerten unbeirrt einen Bus an – garantiert nicht der unsere (dieser hier war doppelt so gross) und ich glaube die beiden Damen waren auch nicht in meiner Gruppe, aber ich folgte ihnen. Der Fahrer wollte uns zuerst nicht reinlassen, aber sie redeten auf ihn ein – wahrscheinlich gaben sie mich als ihren deutschen Schwager aus und schliesslich durften wir in den Bus und sieh da – noch drei freie Plaetze! Manchmal gehts genau auf 😉 Einige Momente spaeter ging die Fahrt schon los Richtung Cartagena.

Natuerlich fuhr er nicht zum Startpunkt, aber ich habe die Bruecke ueber die Lagune, die nach Getsemani fuehrt erkannt und den Busfahrer gebeten, mich bei der Kreuzung rauszulassen. 10 Minuten spaeter war ich barfuss (es fuehlte sich sehr gut an barfuss zu gehen – Fussreflexzonenmassage) im Hotel und hab mir erstmal den Staub von den Fussohlen und das Salz von der Haut geduscht. Dies bei relativer Dunkelheit, den im Hotel ist schon seit 7 Uhr frueh Stromausfall.

Fuer heute abend habe ich einen Platz im „Restaurante Interno“ (http://restauranteinterno.com/) reserviert. Es ist ein Sozialprojekt, das einzige Restaurant weltweit, dass sich in einem Frauengefaengnis befindet. Ich habe vor einem halben Jahr einen Bericht im WELTSPIEGEL darueber gesehen und mir vorgenommen es zu besuchen, wenn ich hier bin. Das unten ist die Tuer zum Restaurant, in dem nur Frauen aus dem Gefaengnis kochen und bedienen. Unten der Eingang des Restaurants und die Besuchertuer des Gefaengnissse. Es hat jeden Tag ab 19 Uhr geoeffnet und man MUSS reservieren.

Das Essen im ‚Restaurante Interno“ war bonfortionoes!

Sehr zu empfehlen

Cartagena, 10.12.

Dies ist der Innenhof meines Hotels „Casa Baluarte“ und darunter die Aussenansicht. Ein schoenes Hotel; das Fruehstueck geniesse ich auf der Dachterrasse mit Blick ueber die Stadt

Danach streife ich durch das Viertel „Centro“, es gefaellt mir sehr gut mit seinen malerischen Strassen, bunten Haeusern mit vielen Pflanzen und Blumen, alles sehr geschmackvoll und mit Liebe zum Detail gestaltet. Es ist quirlig hier mit den vielen kleinen Geschaeften, Restaurant, Cafés, Kirchen, Museen und vielen Strassenhaendlern – aber nicht nervig. Ganz angenehm – kleine, schattige Parks und Plaetze, die zum Verweilen einladen inkl. einer erfrischenden Limonade vom Strassenverkaeufer. Vielleicht vermitteln die Fotos einen Eindruck von der Atmosphaere des „Centro“.

Rings um die aus vier Stadtteilen bestehende Altstadt eine wuchtige Festungsmauer, die man fast ganz umlaufen kann. Einen Teil davon gehe ich ab – mit schoenen Ausblicken auf die Altstadt, das Meer und die Skyline des modernen Cardagenas. Ausserdem weht hier eine frische Brise. Bei der Hitze nicht zu verachten…

Auf der Festungsmauer

Mir persoenlich gefaellt diese Kunst nicht, auf jeden Fall ist sie bunt (wie so vieles in Kolumbien) und auf Leinwand, wird in grosser Stueckzahl hergestellt und findet offenbar ihre Kaeufer…

Die imposante und trutzige Festung „Castillo San Felipe de Bajaras“, die Anfang des 16. Jahrhunderts von den Spaniern erbaut wurde – ich habe sie nicht erklommen – es war mir schlicht zu heiss.

Nach dem Mittagessen und einem Kaffee mit koestlicher Schokoladentorte bei „Juan Valdez Café“, der kolumbianischen Variante von „Starbucks“ (teuer, aber gut) mache ich eine Siesta – eine praktische Erfindung bei dieser Hitze.

Danach steht mein dritter Barbier-Besuch auf dem Programm. Ausser einem Open-Air-Barbier unter einer schattigen Platane auf einem Hinterhof Getsemanias mit grosse Plakat „Barber-Shop“ finde ich in der ganzen Altstadt keinen. Er ist persoenlich noch nicht anwesend; wird aber geholt – nach 10 Minuten kommt er eilenden Schrittes daher. Ich frage ihn nach dem Preis: Cuarenta Mille sagt er, also 40.000 Pesos, das ist ein stolzer, deutscher Preis (13 Euro). Das kann ich nicht ganz glauben, bisher habe ich ca. 10.000 – also 3,50 Euro bezahlt und frage: Cuatro? Also 4.000 Pesos? Er bejaht und so denke ich, das wird dann schon stimmen. Das erste unserer zwei Missverstaendnisse. Ich nehme in einem antiken Friseurstuhl Platz, bekomme den Umhang um und werde in Liegestellung positioniert. Ich bedeute ihm, nur rasieren, Schnauzer und Kinnbart bitte dranlassen! Er sagt „Si“ und macht sich ans Werk, gekonnt und ausdauernd, nach allen Regeln der Kunst werde ich eingeseift und rasiert – auch am Kinnbart macht er sich zu schaffen – aber ich glaube noch hoffnungsvoll , dass er ihn nur stutzt mit dem Rasiermesser. Naja – am Ende ist er weg. Eine (!) Stunde dauert die Prozedur. Am Schluss werde ich noch eingecremt und eingepudert und als ich nach ueberstandener Behandlung 5000 Pesos zuecke, meint der Barbier: 40.000 Pesos. Mit Hilfe des Herren, der nach mir drankam (auf dem Foto zu sehen), der etwas englisch konnte, versuchen wir die Situation zu klaeren. Nach einigen Verhandlungen einigen wir uns schliesslich auf 20.000 Pesos – immerhin hatte er vorbildlich mit Mundschutz gearbeitet und hatte mit dem Kinnbart ja auch Mehr-Arbeit…;-)

Santa Marta – Cartagena, 9.12.

Heute ein kurzer Beitrag mit nur einem Foto! Der Shuttle-Bus nach Cartagena https://de.wikipedia.org/wiki/Cartagena_(Kolumbien), der mich um 9.30 am Hotel abholen sollte, kam um 10.15 und lud mich ein. Mit 17 anderen Passagieren ging es Richtung Westen immer an der Kueste entlang 6 Stunden nach Cartagena, der 1-Millionen-Stadt an der Karibik. Rechts immer den Blick auf das Meer, davor Lagunen, Mangroven, dann wieder Felder, Waelder – alles sehr gruen. Kleine buntgestrichene Haeuser, manche fertig, viele nicht. Ueberhaupt vieles halbfertig und improvisiert. Es war schoen, durch die Landschaft zu schaukeln und einfach nur zu schauen und sich den einen oder anderen Gedanken zu machen.

Mit einem Paearchen um die 50 aus Prescott in Arizona, dass neben mir sass, kam ich ins Gespraech; sie hatten auch die Lost City Tour gemacht. Der Mann war beim Abstieg von der Ciudad Perdida auf den steilen Stufen gestuerzt und hatte sich zwei Rippen gebrochen. Ihm ging es garnicht gut. Ich bin sehr dankbar, dass ich bisher alles gesund ueberstanden habe.

Die Fahrt ansich war ereignislos; zwei Pausen (bei einer entstand das Foto – solche Verkaufsstaende saeumen alle Strassen – also man verdurstet und verhungert auf keinen Fall!). Auf halber Strecke passieren bzw. durchfahren wir die 1,2 Millionenstadt Barranquilla, weil die Umgehungsstrasse gesperrt war. Fuer kolumbianische Verhaeltnisse eine extrem propere Stadt, die aber keinerlei Touristen anzieht, wie mir am Morgen im Hotel ein Herr aus eben dieser Stadt erzaehlte. Es gebe dort leider keine besonderen Touristenattraktionen, dafuer sei sie eine sehr wirtschaftliche starke Stadt.

Touristen hingegen zieht Cartagena an: die meisten in ganz Kolumbien. Seit 1984 ist sie UNESCO-Weltkulturerbe. Das komplett ummauerte alte Stadtzentrum mit Festungsring und den Stadtteilen Centro mit der Kathedrale und zahllosen Palästen im andalusischen Stil, San Diego, dem Viertel der Händler und der zahlenmäßig kleinen Bourgeoisie sowie Getsemaní, dem Viertel der kleinen Leute und Handwerker, in dem mein Hotel „Casa Baluarte“ liegt, hat einen ganz besonderen Flair, den ich gleich nach der Ankunft bei einem Bummel durch die Gassen von Getsemani erlebt habe.

Zwei Tage werde ich die Stadt nun erkunden, bevor es am Mittwoch weiter geht nach Nicaragua.

Buenos noches und einen guten Start in die neue Woche wunscht euch

Utz